spektrum
Von Dietmar Bräuer / BlogFernsehenSatellitenfernsehenTechnikecke

DVB-T Empfangsstörungen in der Samtgemeinde Bederkesa und umzu

Ende August, Anfang September 2013 klagten viele Kunden über Bild- und Tonstörungen beim Empfang ihrer Programme mit der DVB-T-Antenne. Hier die richtige Diagnose zu stellen, war gar nicht so einfach. Anfangs vermuteten wir den Fehler in der Empfangsanlage bzw. an den Empfangsapparaten was genauere Untersuchungen aber nicht bestätigten. Durch Laufzeitmessungen konnten wir aufzeigen, dass es sich um einen Fehler in unserem regionalen Gleichwellennetz handelte. Zu dem für uns zuständigen Gleichwellennetz gehören die Senderstandorte: Cuxhaven, Bremerhaven, Bremen und Steinkimmen. Wie wir den Impulsmessungen entnehmen konnten, lag einer der beteiligten Sender außerhalb des Schutzintervalls und verursachte die Störungen. Die von uns erstellten Messprotokolle übermittelten wir Dr. Ladebusch vom NDR in Hamburg, mit dem wir schon seit Jahren in gutem Kontakt stehen, zur Analyse. Wir sind dankbar, dass uns Dr. Ladebusch auch in diesem Fall wieder mit Rat und Tat zur Seite stand.

Die genaue Untersuchung des Sachverhalts durch Dr. Ladebusch ergab, dass der Sender Bremerhaven aus der zeitlichen Synchronisation heraus gefallen war, er sendete etwas zu früh, dadurch kam das Signal aus Steinkimmen zu spät, fiel aus dem Schutzintervall heraus und verursachte die Bild- und Tonstörungen.

spektrum
Dokumentation des Störsignals

Nach dem die zeitliche Synchronisation wieder hergestellt war, passten alle beteiligten Sender wieder ins Schutzintervall der Empfangsgeräte und die Empfangsstörungen waren wie von Geisterhand verschwunden. Zu erwähnen wäre noch, dass das Diagramm uns hier  neben den interessierenden Laufzeitdifferenzen der Sendersignale auch ein kleines Echo zeigt, das ist aber mit -27,4dBc nicht weiter von Bedeutung.

spektrum2
Solllage der Fernsehsender

Dr. Ladebusch schrieb uns dazu:

Hallo Herr Bräuer,

Ihre Rückmeldung war super – damit konnten wir MB (Media Broadcast) dann gleich nach der Ursache befragen. Bei uns hatten die sich nämlich noch nicht gemeldet.

Ihre Impulsdiagramme waren zudem der Schlüssel zum Erfolg. Anhand derer hatten wir ja identifiziert, dass Schiffdorf zu früh sendet (in allen Muxen). Hätten wir also nur einen Tipp hinsichtlich der Fehlerursache gehabt, so hätten wir auf den zentralen GPS-Takt oder die Zuführung in Schiffdorf getippt. Es war dann letztlich der GPS-Takt, der dort ausgefallen war und die Störung zu verantworten hatte.

Mit nochmaligem Dank wünsche ich Ihnen einen sonnigen Feierabend,

Uwe Ladebusch

Für die technisch interessierten unter den Lesern habe ich hier die Laufzeiten, bezogen auf unseren Standort Bederkesa, noch mal zusammengefasst.

  • Die Laufzeit von Bederkesa zum Bremer Sender beträgt etwa 206µS (62km)
  • Die Laufzeit von Bederkesa zum Bremerhavener Sender beträgt etwa 66µS (20km)
  • Die Laufzeit von Bederkesa zum Cuxhavener Sender beträgt etwa 102,5µS (30km)
  • Die Laufzeit von Bederkesa zum Steinkimmener Sender beträgt etwa 233µS (70km)

Die Empfangsantenne ist auf den Bremer Sender ausgerichtet.
Die Verzögerungswerte in der Tabelle der Messprotokolle ergeben sich, in dem man jeweils die Laufzeit des Nebensenders von der Verzögerungszeit des Hauptsenders abzieht. Für die Werte des Bremerhavener Senders ergeben sich demnach folgende Werte: -206µs +66µs = -140µs
Für Steinkimmen: -206µs +233µs = 27µs (gemessen 36,4µS)
Für den Sender Cuxhaven: -206µs + 102,5µs = 103,5µs
Sie merken, da stimmt was nicht. Des Rätsels Lösung liegt in der Vorverzögerung des Cuxhavener Signals um 50µs.
Damit ergibt sich: -206µs+102,5µs+50µs= -53,5µs

Die links vom Bezugssignal (Hauptsender Bremen) dargestellten Signale sind voreilend, treffen also vor dem Hauptsignal ein, die rechts vom Bezugssignal sind nacheilend, treffen also nach dem Hauptsignal ein. Die Sender mit den voreilenden Signalen sind folglich dem Empfangsstandort näher, die nacheilenden Signale kommen von Sendern die weiter entfernt sind als der Hauptsender.

karte_spektrum
Geografische Lage der beteiligten Sender